Thorsten Huehne


Direkt zum Seiteninhalt

Der Kinobesuch

Der Kinobesuch

Seit einer Woche lief bereits der neue Film mit Jean-Pierre Butt im Kino und ich hatte ihn noch nicht gesehen. Ich muss wohl hier nicht erwähnen, dass diese Tatsache allein schon eine Katastrophe darstellt. Das ist wirklich nur zu vergleichen mit dem Untergang der Titanic, einem Börsencrash oder einer Nichtteilnahme einer deutschen Fußballnationalmannschaft an einer Weltmeisterschaft.

Dieser Zustand musste sich zweifelsohne ändern, deshalb hatten Gisela und ich ausgemacht, an diesem Abend dieser Bildungslücke ein Ende zu machen. Ich bestellte im Internet zwei Karten für die besten Plätze, und freute mich den ganzen Tag auf diesen Film. Ich hatte noch einen Termin mit meinem Verleger am Mittag, den erledigte ich recht fix und fuhr schnell nach Hause.

Am Abend zog ich mir gut gelaunt meinen Anzug an, als Gisela mit einer einzigen Frage die Stimmung auf den Tiefpunkt brachte:
„Schatz, wann kommt denn Marianne?“ Marianne war unsere Babysitterin, ein prachtvolles und zuverlässiges Mädel. Sie war immer pünktlich, immer hilfsbereit und immer da, wenn wir sie brauchten. Das Wichtigste war, unser Sohnemann liebte sie.
„Ich weiß nicht“, ich antwortete, während ich krampfhaft versuchte, meine Krawatte in Rekordtempo zu binden, „für wann hast du sie bestellt?“
„Ich? Ich habe sie nicht bestellt“, Gisela kam ins Bad gerannt und schien ebenso erschrocken wie ich, „hast du sie nicht bestellt?“
Teufel, da schien sich eine Katastrophe anzubahnen. Doch Gisela wäre nicht Gisela, wenn sie nicht die richtige Idee zur richtigen Situation gehabt hätte. „Ruf doch mal meine Eltern an, die haben ihn schon lange nicht mehr gesehen. Die würden sich bestimmt freuen, ihn für eine Nacht zu behalten.“

weiter
zurück zu den Kurzgeschichten

Home | Romane | Soundtrack | News | Kurzgeschichten | Impressum | Sitemap


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü